"Man wünscht sich mehr Dichterinnen ..., die die mutlose und glattgebügelte deutsche

Gegenwartsliteratur aufmischen. Weniger Gefälliges, mehr Radikales. Mehr Echtes."  Gerrit Wustmann:

Kein Bock auf Literaturagenten, in: der Freitag, Ausgabe 34/2017

 

w w w . P O E S I E P R E I S . d e

VERDOPPELT STATT VERSCHOBEN

Während der Nobelpreis für Literatur 2018 aufgrund der skandale verschoben wird, wird ES ERSTMALS 2 nahbell-Preisträgerinnen geben!

Traditionell am 21.6. wird der neue Nahbellpreisträger bekannt gegeben und das Email-Interview mit ihm veröffentlicht, das in den letzten Monaten geführt wurde. Nur so viel sei diesmal schon vorab verraten: Während der Nobelpreis für Literatur dieses Jahr ausfällt (allerdings nur verschoben wurde), wird der diesjährige 19.Nahbellpreis erstmals VERDOPPELT und geht an zwei junge österreichische Dichterinnen, von denen die eine als Newcomerin und Nachwuchsautorin der Lyrikszene gelten kann, obwohl sie bereits früher literarisch "auffällig" war. Die andere ist eine etablierte Instanz in der Szene und hat bereits zahlreiche Publikationen und öffentliche Projekte aufzuweisen! Von Karl-Johannes Vogt (verstarb 2013 mit 93) über Hadayatullah Hübsch (verstarb 2011 mit fast 65) und Jonas Gawinski (zum Zeitpunkt der Preisverleihung noch unter 20) bis zu den kommenden Preisträgerinnen klafft ein großer Altersunterschied; denn der Nahbellpreis war immer schon generationenübergreifend: Als "alternativer Lyriknobelpreis" richtet er sich erstmals seit dem Jahre 2000 an deutschsprachige Lyriker(INNEN!), die sich selbst oder Kollegen vorschlagen dürfen. Laut Urkunde ist die "Unbestechlichkeit im lebenslänglichen Gesamtwerkprozess" für die Vergabe entscheidend, ein Kriterium, das sich nur selten im Anfangsstadium eines Künstlers abschätzen lässt. Mit 10 Millionen Euro ist der Nahbellpreis der weltweit höchstdotierte Literaturpreis - leider fehlen bis heute geeignete Sponsoren, so dass sich alle bisherigen Preisträger derzeit mit einer symbolischen Ehrung und der Internet-Präsentation begnügen müssen. Mit der Höhe des Preisgeldes soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wertvoll ein Dichterleben eigentlich ist, wenn es wie jeder andere Beruf als tagtägliche Arbeit verrichtet wird. Gesellschaftlich engagierte Literaten, die mit ihren bibliophilen Kleinstauflagen und idealistischen Projekten oft selbstlos und selbstausbeuterisch zum kulturellen Mehrwert einer ansonsten immer weiter ENTPOETISIERTEN GESELLSCHAFT beitragen, brauchen eine viel souveränere Unterstützung als das herkömmliche profilneurotische Preissystem der etablierten konservativen Literaturszene, die nicht das stilistisch authentische Engagement kritischer, progressiver, visionärer Stimmen belohnt, sondern sich lediglich höchstselbst mit viel Gemüsedekoration inszeniert. Die hohe Summe des Nahbellpreises soll nicht nur garantieren, dass der Preisträger lebenslänglich ohne ökonomischen Druck auf höchstem Niveau und mit ungebremster Konzentration zum Wohle des kulturellen Fortschritts kreativ sein kann, sondern dass er sogar seinerseits selbst Geld an weitere Projekte ausschütten kann, die er für förderungswürdig erachtet. Die freie, nicht institutionell gebundene Poetisierung des Alltags soll dadurch entgegen des allgemeinen Trends zur antipoetischen und entpolitisierten Beauty-, Serien- und Fitnesskultur angekurbelt werden, um der apokalyptischen Stagnation des ankonditionierten Konformismus entgegenzuwirken. Die Nahbellpreisträgerinnen machen einem Mut, sich das kreative, wilde, spontane Denken nicht von einer alltagsnarkotisierten Routinewelt aus poesielos trivialen Kollektivritualen verbieten zu lassen. Freie Poesie repräsentiert die notwendige Fähigkeit eines Menschen, sich selbst und die Umwelt RADIKAL OFFEN wahrzunehmen, um den Zivilisationsprozess reflektiert heilsam voranzutreiben und anzuregen. Um das Überleben der Menschheit zu sichern, benötigt es nicht nur Produktionsstätten und Pestizidgesetze, sondern vorallem zunächst einmal dekonditionierte Freigeister, die sich den Weltproblemen und den letzten Fragen des Lebens überhaupt widmen. Poesie ist vergleichbar mit wissenschaftlichen Studien: Poesie ist DAS Medium schlechthin, mithilfe dessen Psychologie, Religion, Politik und Alltag zusammengedacht wird!

19. NAHBELLPREIS AN ZWEI ÖSTERREICHERINNEN

Das G&GN-INSTITUT (Institut für Ganz & GarNix) hat über D I E B E I D E N Preisträgerinnen des diesjährigen 19. Nahbellpreises 2018 "für Zeitgeistresistenz und lebenslängliche Unbestechlichkeit" entschieden: erstmals in der Vergabe des "alternativen Lyriknobelpreises" wird der Preis an ZWEI Dichterinnen abseits des Mainstreams gehen und daher das Preisgeld VERDOPPELT. Die Namen der Gewinnerinnen werden traditionell erst am 21. Juni in der "LYRIKZEITUNG" (gegründet von Michael Gratz) bekannt gegeben. Aufgrund der häufigen Pressekritik am Fehlen von starken weiblichen Stimmen im Lyrikbetrieb (zuletzt auch in bezug auf den "echten" Nobelpreis) hat sich das G&GN-INSTITUT entschieden, gleich zwei starke Kandidatinnen auf einmal zu ehren (natürlich auch zum ideellen Ausgleich des diesjährig ausfallenden Nobelpreises), um dadurch stellvertretend anzudeuten, daß es sehr wohl gute, gesellschaftskritische Frauengedichte gibt, nur daß sie zu selten erwähnt werden - auch von jenen nicht, die sich über das angebliche Defizit selber beschweren! Da die anderen nominierten Damen (siehe Liste von letztem Jahr auf Twitter) leider KEINE BEWERBUNGS-UNTERLAGEN einreichten, konnten nur die beiden Gewählten berücksichtigt werden, zwischen denen die Entscheidung unmöglich war. Wir hoffen, daß diese Bewerberträgheit irgendwann auch ein Ende hat und sich NOCH MEHR LYRIKERINNEN bewerben...

 


18. Nahbellpreisträger 2017

Der bis zum 21.6.2018 amtierende Nahbellpreisträger ist der Düsseldorfer A.J. Weigoni