"Was Alfred Nobel unter 'ideal' verstanden haben mag, hat einer seiner Freunde später formuliert – in einem Brief, der vor ein paar Jahren gefunden wurde: >>Nobel war Anarchist, mit 'ideal' meinte er das, was eine polemische oder kritische Haltung gegenüber der Religion, der Monarchie, der Ehe und der Gesellschaftsordnung insgesamt einnimmt.<< (...) Nicht jedes Jahr können sich die Akademieglieder bereits zur Nobelwoche auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen."

Daphne Springhorn, in: Wie wird man Nobelpreisträger für Literatur? (2012)

 

"Solange nicht das bedingungslose Grundeinkommen für Dichter eingeführt wird, bleibt der Wert der Literatur wie gehabt höher als ihr Preis."

Felicitas von Lovenberg, in: ARME POETEN (F.A.Z. 22.4.2015)

 

w w w . L Y R I K S Z E N E . d e

relaunch: alle nahbellpreisTRÄGER seit 2000 bis zum zwanzigsten JUBILÄUMSJAHR 2019 auf dieser neuen poesiepreis-seite

Since 2000 the german G&GN-Institute (founded in Cologne 1990 but settled in Düsseldorf since 2012 after a decade in Berlin) yearly awards an alternative poetry prize at the 21st of June as a symbolic alternative to the REnowned "Nobel Prize for literature". The meaning of this different prize is not to forget IMPORTANT INDEPENDENT POETS THAT ARE STILL ALIVE but not at all or not well enough supported by the conservative establishment because they are too individual and original for the laws of the normal big book-market. Unfortunately til now we got NO MONEY and please you to support the prize even if you can power it only with a little amount.

22 Preisträger(INNEN) in zwanzig jahren

Der NAHBELLPREIS wird seit dem Jahre 2000 alljährlich am 21. Juni als alternativer Lyrik-Nobelpreis laut Urkunde an "deutschsprachige lebende Dichter für die lebenslängliche Zeitgeistresistenz und Unbestechlichkeit im poetischen Gesamtwerkprozess" verliehen und ist mit 10 Millionen Euro der WELTWEIT HÖCHSTDOTIERTE Literaturpreis, dessen Preisgeld allerdings bis heute mangels Sponsoren noch nicht ausgeschüttet werden konnte. Die extreme Höhe der Geldsumme ergibt sich aus der Vision, daß die geehrten Dichter nicht nur mit einem symbolischen Kleckerbetrag abgespeist werden sollen, mit dem sich in der heutigen europäischen Lebenssituation nur kurz überleben lässt, sondern genügend Startkapital bereit gestellt wird, um diese "unbequemen" Lyriker bei der Umsetzung ihres gesamten poetischen Lebensplans realistisch zu unterstützen. Das Entscheidende daran ist: All unsere Gewinner führen kein egomanes Privatleben, das mit dem Preisgeld nur unnötig versüßt würde, sondern arbeiten tagtäglich härter, kreativer & produktiver als manche Manager, denen ein ähnlich hoher Gewinn trotz Mißerfolg vertraglich geschenkt wird. Diese Dichter haben keinen Vertrag mit irgendeiner Instanz, sie forschen selbständig und stellvertretend zum Wohle der Allgemeinheit nach dem, was das Leben verlogen oder lebenswert macht - diese Dichter dienen mit der Entwicklung ihrer Werke der nachhaltigen Qualitätssteigerung unserer soziokulturellen Kontexte! Ihre außergewöhnliche Sprachkunst ist ein fast "unbezahlbarer" seelischer Mehrwert, den es zu schützen und rundum zu fördern gilt, wenn wir die Vision vom Mensch als SICH SELBST ERKENNENDES, SELBST-KRITISCHES SUBJEKT hochhalten wollen! Gerade in krisengeschüttelten Zeiten beweist sich die Wichtigkeit dichterischer Dokumentation menschlicher Möglichkeiten, um in der Ferne, in der Tiefe, in der Vorstellungskraft des freien Geistes ein Licht zu entdecken, wo sich ansonsten nur Dunkelheit breitmachen möchte... Tragen Sie mit Ihrer großzügigen Förderung dazu bei, die Tendenzen und Zeitgeistströmungen in der Gesellschaft mit den komplexen Wortwelten von "übersensiblen" Ausnahmelyrikern als SEELISCHE SEISMOGRAFEN aufzumischen - gemeinsam bereichern wir damit unseren oftmals zu seichten, normalen Alltag und genießen die Vorfreude auf kommende Werke unserer Nahbellpreisträger, die sowohl uns als auch zukünftige Generationen lebenslänglich begleiten, sobald sie geschaffen werden konnten. 

10. Jubiläum 2009

Karl-Johannes Vogt wurde am 29.10.1919 geboren, lebte in Jülich (zwischen Aachen und Köln), wo es inzwischen auch einen "echten" Nobelpreisträger (der Physik) gibt. Heinrich Böll schrieb Vogt einst, daß ihn seine Gedichte sehr berühren und er weiter dichten solle. Vogt hielt diesen persönlichen Brief sein Leben lang geheim, wie es sich eben für private Post gehört - und wurde bis heute nicht veröffentlicht... Am 21.6.2009 wurde "dem unbekannten Dichter" Karl-Johannes Vogt durch das G&GN-Institut der 10. NAHBELL-Preis für dessen "lebenslängliche zeitgeistresistente" Produktivität zuerkannt. Außerdem erschienen im Herbst 2009 beim G&GN-Verlag 14 ausgewählte Gedichte aus den Manuskripten "MOMENTE" I+II unter dem Titel "DAS FLUGZEUG ÜBER MIR WECKT KEINE SEHNSUCHT" in der Edition naHbell als Vogts allererster Lyrik-Einzelband überhaupt. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gab es vor einigen Jahren ein Hörspiel. Ein Roman ist vom Autor auch lieferbar. "Hans" Vogt befand sich 2009 in seinem neunzigsten Lebensjahr und verstrahlte die Ruhe und Grazie dieser Gegenwartsbewußtheit seiner Dichtung "wie nebenbei" genau so auch im Gespräch. Er starb am 18.6.2013 in einem Linnicher Pflegeheim.

Karl-Johannes Vogt 

UTOPIE

Ich stelle unser Bett

In den Mondschein

Auf eine Brücke aus Licht

Die über den Strom führt

Der keinen Ursprung hat und kein Ziel

Auf eine Brücke

Aus Licht

Ohne Hin- und Herweg

seit 2012 aus d'dorf

Der Nahbellpreis sucht immer noch ideologisch passende Mäzene für die Veteranen und Hoffnungsträger der lebend(ig)en deutschsprachigen Lyrikszene.

 

Name: G&GN-INSTITUT

Konto: 3 0 0 6 6 7 8 4 4 9

BLZ: 3 0 0 5 0 1 1 0

(Stadtsparkasse Düsseldorf)

 Verwendungszweck: NAHBELLPREIS

 

Mit der Höhe des Preisgeldes soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wertvoll ein Dichterleben eigentlich ist, wenn es wie jeder andere Beruf als tagtägliche Arbeit verrichtet wird. (...) Die hohe Summe des Nahbellpreises soll nicht nur garantieren, dass der Preisträger lebenslänglich ohne ökonomischen Druck auf höchstem Niveau und mit ungebremster Konzentration zum Wohle des kulturellen Fortschritts kreativ sein kann, sondern dass er sogar seinerseits selbst Geld an weitere Projekte ausschütten kann, die er für förderungswürdig erachtet. Der 18. Nahbellpreiträger 2017 war der Düsseldorfer Dichter A. J. Weigoni.

Die gewinnerinnen 2018: Sophie Reyer & Tanja "lulu" Play Nerd

"Man wünscht sich mehr Dichterinnen ..., die die mutlose und glattgebügelte deutsche Gegen-wartsliteratur aufmischen. Weniger Gefälliges, mehr Radikales. Mehr Echtes."

Gerrit Wustmann: Kein Bock auf Literaturagenten, in: der Freitag, Ausgabe 34/2017

 

"Die sich ermächtigt fühlen, Literaturpreise zu verteilen, haben in der Regel nicht viel mit Literatur zu tun. (...) Insider und Macher wissen da besser Bescheid und können ziemlich leicht beweisen, daß es die Literaturmafia nur in der Vorstellung von Undergroundliteraten gibt, die sich selbst nichts zutrauen. (...) Wo Originalität eine Frage von Reklame ist, da schlägt die Sternstunde der Abstauber. Genug öffentliche Mäzene lassen sich finden. Sie geben den preiswütigen Kulturfunktionären die Gelegenheit, die Fiktion einer intakten Kulturlandschaft zu verbreiten. Öffentliche Gelder finden Verwendung, um die Öffentlichkeit irrezuführen."

Klaus Stiller: LITERATUR ALS LOTTERIE (1974)

 

"Hat Lyrik noch eine Funktion innerhalb der Realität unseres modernen Lebens? Wenn ja, welche? (...) Lyrik lädt uns ein zu der einfachsten und schwierigsten aller Begegnungen, der Begegnung mit uns selbst. (...) Daher ist die Selbstbegegnung des Lyrikers zugleich einmalig und Modell von Begegnung überhaupt: mit den andern, mit der Wirklichkeit. Unwiederbringlicher Augenblick, Zeit außer der Zeit. Im Gedicht ist er eingefroren, auftaubar. Wirklicher als die Wirklichkeit: ihr jeweils neu und anders realisierbarer Potentialis."

Hilde Domin: WOZU LYRIK HEUTE? LYRIK UND GESELLSCHAFT (1964)


IM L&Poe-TICKER NR.87 VOM JUNI 2005 ANTWORTET DER LYRIKZEITUNG-HRSG. DR. MICHAEL GRATZ (INSTITUT FÜR PHILOLOGIE, UNIVERSITÄT GREIFSWALD) DEM LYRIKER WILHELM FINK, DER DIE NAHBELL-PREISVERGABE FÜR EINE "SCHERZKEKS-MELDUNG" HÄLT (AUSZUG): "Nahbeller? Während zu dieser Stunde die Agenten der großen Verlage auf die Siegerkürung in Klagenfurt warten, müssen Sie sich mit dem Selbstverlegen Ihres Werks abmühen. Der österreichische Autor Franzobel hatte zehn Bücher im Eigenverlag oder in (aus Sicht des deutschen Literaturbetriebs) kleinen österreichischen Verlagen publiziert. Das elfte Buch erschien 1995 bei Suhrkamp - kurz nachdem er den Bachmannpreis gewonnen hatte. Franzobel scheint nicht klug geworden zu sein, denn einen Teil der frisch gewonnenen Knete steckte er in ein Gedichtbuch von Angelika Janz: Schräge Intention. Gedichte. edition ch, 1995. Welche deutsche Feuilletonredaktion liest Bücher aus solchen Verlagen? In dieser Lage finde ich Aktionen wie die diversen des Instituts für Ganz & GarNix erfrischend und sogar notwendig. (...) Eine respektable Liste - und das ist kein Scherz!"


 

"In einer Quellenedition gibt die Akademie auf tausend eng bedruckten Seiten Einblick in das Drama, das sich alljährlich hinter den Kulissen abspielt, in die Kämpfe und Rituale. Joyce, Proust und Rilke haben den Nobelpreis bekanntlich nie erhalten. Die Quellenedition zeigt nun aber, dass die oft gescholtene Schwedische Akademie hierfür nur einen Teil der Verantwortung trägt. Von 1901 bis 1950 hatte das Nobelkomitee 1256 Autoren zu beurteilen. Aus vielen Ländern trafen Vorschläge in Stockholm ein. Keiner jedoch hielt Joyce, Proust und Rilke für nobelpreiswürdig, auch kein Kollege, wohlgemerkt. Keiner dachte an Tschechow, Musil, Lorca, W. H. Auden, Brecht, Anna Achmatowa oder Edith Södergran. (...) Alfred Nobel hat den Preis, was oft vergessen wird, gestiftet für Literatur 'idealer Ausrichtung'. Sein Wille spielt bei der Wahl, ob als Vorwand oder nicht, oft eine Rolle. Das Drängen auf Optimismus, auf Harmonie, das in den Werturteilen des Komitees häufig zum Ausdruck kommt, erinnert an den Philosophen C. J. Boström, dessen idealistisches Denken Generationen schwedischer Akademiker prägte."

Neue Zürcher Zeitung, 8.4.2002

 

"Die Geschichte des Literatur-Nobelpreises ist im wesentlichen ein Versuch, ein unklares Testament auszulegen. Der Erfinder des Dynamits versteckte Sprengstoff in seinem letzten Willen: Die Zinsen seines riesigen Vermögens sollen demjenigen lebenden Schriftsteller zugute kommen, "der in der Literatur das Vorzüglichste in idealer Richtung geschaffen hat". In seinem Testament legte er weiter fest, dass der Preis für eine Leistung des vorangegangenen Jahres verliehen werden solle, dass keinerlei Rücksicht auf die Nationalität genommen werden solle und dass das Werk der Menschheit den "größten Nutzen" erwiesen haben müsse. (...) An Kritik an der Schwedischen Akademie und ihren Entscheidungen mangelt es nicht: Schriftsteller, die zu unrecht den Nobelpreis erhalten haben, andere, die ihn verdient hätten, ihn aber nicht bekommen haben, fehlende Urteilskompetenz der Akademiemitglieder, zu starke Konzentration auf europäische Literatur, Unterrepräsentierung der Frauen sowohl bei den Preisträgern – nur sechs Frauen in hundert Jahren – als auch in der Akademie selbst, etc. Doch egal, wie sich die Akademie entscheidet, sie wird es nie allen recht machen können, ihre Wahl wird immer Begeisterung bei den einen und Entrüstung oder Fassungslosigkeit bei den anderen hervorrufen. Eine Beurteilung von Literatur kann nie vollkommen objektiv sein, da persönliche Vorlieben immer eine gewisse Rolle spielen."

100 Jahre Literatur-Nobelpreis, arte TV: Kunst & Musik (2001)